Was ist der Wert von Persönlichkeit in einem Zeitalter von KI?
KI kann immer mehr Inhalte produzieren. Gerade deshalb wird wichtiger, wer spricht, was diese Person erlebt hat und warum wir ihr zuhören wollen.

Menschen folgen Menschen
Die große Angst vor KI klingt oft so, als würden wir bald alle ersetzt. Texte, Bilder, Stimmen, Videos, Beratung, Service, Unterhaltung. Kann die KI alles.
Dabei übersehen wir etwas ziemlich Einfaches: Für uns Menschen entsteht Wert sehr oft durch Persönlichkeit, Haltung und Vertrauen. Vor allem dort, wo Menschen direkt mit Menschen zu tun haben. In der Pflege, bei Ärzten, in sozialen Berufen, aber auch in einem ganz normalen Servicecenter. Wenn ich ein Problem habe, will ich mit jemandem sprechen, der zuhört, meine Situation versteht und mir wirklich hilft.
Am deutlichsten sehe ich das in Social Media. Dort erklären sogenannte KI-Experten, wie man gesichtslose Kanäle baut, endlos Inhalte produziert und damit angeblich Reichweite oder Geld verdient. Ehrlicherweise sehe ich diese Kanäle in meinen Feeds kaum. Vielleicht scrolle ich sie einfach weg.
Die Experten selbst machen es übrigens anders. Sie setzen sich vor die Kamera. Mit ihrem Gesicht, ihrer Stimme und ihrer Art. Ihr Geschäftsmodell hängt an ihrer Persönlichkeit. Menschen folgen Menschen.
Warum ein Gesicht einen Unterschied macht
Wir wollen wissen, wer etwas sagt. Warum denkt jemand so? Was hat diese Person erlebt? Kann ich ihr vertrauen?
Das war schon so, als meine Oma die Bunte gelesen hat, um zu erfahren, wie es der ach so unglücklichen Lady Diana geht, der Bürgerlichen im Königshaus. Eine menschliche Tragödie. Man kann darüber lächeln. Funktioniert hat es trotzdem, weil hinter der Geschichte ein Mensch stand.
Persönlichkeit gibt Reibung und Wiedererkennung. Ein Video kann technisch perfekt sein und trotzdem an uns vorbeilaufen. Ein anderes ist einfacher produziert und bleibt hängen, weil da jemand spricht, der etwas Eigenes hat.
Hollywood weiß das längst
Ein Brad-Pitt-Film ist auch deshalb ein Brad-Pitt-Film, weil Brad Pitt darin mitspielt. Klar funktionieren künstliche Figuren ebenfalls. Homer Simpson, die Minions oder Buzz Lightyear haben ein riesiges Publikum. Die Verbindung ist nur eine andere.
Ein menschlicher Schauspieler bringt Gesicht, Stimme, Biografie und öffentliche Wirkung mit. Eine Scarlett Johansson lockt Menschen ins Kino, weil das Publikum sie kennt und mit Black Widow verbindet.
Das Marvel-Universum ist dafür ein ziemlich gutes Beispiel. Viele Bilder entstehen vor Greenscreen oder im Computer. Trotzdem besetzt Marvel seine Filme mit Robert Downey Jr., Tom Holland oder Chris Hemsworth. Diese Menschen sind ein Teil des Versprechens.
In Thor: Tag der Entscheidung sieht Loki ein Theaterstück über seine eigene Geschichte. Loki wird im Film von Tom Hiddleston gespielt. Auf der Bühne spielt ihn Matt Damon. Wer dann noch weiß, dass Damon bereits 1999 in Dogma einen Loki gespielt hat, bekommt ein Easter Egg dazu. Aus einer kurzen Szene wird Gesprächsstoff für Fans.
Mehr Inhalte. Mehr Persönlichkeit.
KI wird die Menge an Texten, Bildern und Videos weiter erhöhen. Damit steigt der Wert von allem, was eindeutig menschlich wirkt: Haltung. Geschmack. Humor. Verletzlichkeit. Charme. Vertrauen.
Wie etwas produziert wurde, ist für viele Menschen zweitrangig. Ob Kamera, 3D, Greenscreen oder KI: Es muss uns erreichen. Christopher Nolan hat Fans, weil er echte Bilder liebt und daraus einen Teil seiner Filme macht. Marvel trifft andere Entscheidungen und hat ebenfalls sein Publikum.
Eine erkennbare Art wird aus generischen Inhalten herausragen. Wer austauschbar kommuniziert, verschwindet schneller. Wer eine eigene Stimme hat, wird sichtbarer.
Social bleibt. Persönlichkeit auch.
